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Sprüche - Kp. 22 bis 24 - Luther 1912

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 Sprüche - 22. Kapitel

1 Ein guter Ruf ist köstlicher denn grosser Reichtum, und Gunst besser denn Silber und Gold.

2 Reiche und Arme müssen untereinander sein; der HERR hat sie alle gemacht.

3 Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich; die Unverständigen gehen hindurch und werden beschädigt.

4 Wo man leidet in des HERRN Furcht, da ist Reichtum, Ehre und Leben.

5 Stachel und Stricke sind auf dem Wege des Verkehrten; wer sich aber davon fernhält, bewahrt sein Leben.

6 Wie man einen Knaben gewöhnt, so lässt er nicht davon, wenn er alt wird.

7 Der Reiche herrscht über die Armen; und wer borgt, ist des Leihers Knecht.

8 Wer Unrecht sät, der wird Mühsal ernten und wird durch die Rute seiner Bosheit umkommen.

9 Ein gütiges Auge wird gesegnet; denn er gibt von seinem Brot den Armen.

10 Treibe den Spötter aus, so geht der Zank weg, so hört auf Hader und Schmähung.

11 Wer ein treues Herz und liebliche Rede hat, des Freund ist der König.

12 Die Augen des HERRN behüten guten Rat; aber die Worte des Verächters verkehrt er.

13 Der Faule spricht: Es ist ein Löwe draussen, ich möchte erwürgt werden auf der Gasse.

14 Der Huren Mund ist eine Tiefe Grube; wem der HERR ungnädig ist, der fällt hinein.

15 Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht wird sie fern von ihm treiben.

16 Wer dem Armen Unrecht tut, dass seines Guts viel werde, der wird auch einem Reichen geben, und Mangel haben.

17 Neige deine Ohren und höre die Worte der Weisen und nimm zu Herzen meine Lehre.

18 Denn es wird dir sanft tun, wo du sie wirst im Sinne behalten und sie werden miteinander durch deinen Mund wohl geraten.

19 Dass deine Hoffnung sei auf den HERRN, erinnere ich dich an solches heute dir zugut.

20 Habe ich dir's nicht mannigfaltig vorgeschrieben mit Rat und Lehren,

21 dass ich dir zeigte einen gewissen Grund der Wahrheit, dass du recht antworten könntest denen, die dich senden?

22 Beraube den Armen nicht, ob er wohl arm ist, und unterdrücke den Elenden nicht im Tor.

23 Denn der HERR wird ihre Sache führen und wird ihre Untertreter untertreten.

24 Geselle dich nicht zum Zornigen und halte dich nicht zu einem grimmigen Mann;

25 du möchtest seinen Weg lernen und an deiner Seele Schaden nehmen.

26 Sei nicht bei denen, die ihre Hand verhaften und für Schuld Bürge werden;

27 denn wo du es nicht hast, zu bezahlen, so wird man dir dein Bett unter dir wegnehmen.

28 Verrücke nicht die vorigen Grenzen, die deine Väter gemacht haben.

29 Siehst du einen Mann behend in seinem Geschäft, der wird vor den Königen stehen und wird nicht stehen vor den Unedlen.

 Sprüche - 23. Kapitel

1 Wenn du sitzest und issest mit einem Herrn, so merke, wen du vor dir hast,

2 und setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist.

3 Wünsche dir nichts von seinen feinen Speisen; denn es ist falsches Brot.

4 Bemühe dich nicht reich zu werden und lass ab von deinen Fündlein.

5 Lass dein Augen nicht fliegen nach dem, was du nicht haben kannst; denn dasselbe macht sich Flügel wie ein Adler und fliegt gen Himmel.

6 Iss nicht Brot bei einem Neidischen und wünsche dir von seinen feinen Speisen nichts.

7 Denn wie ein Gespenst ist er inwendig; er spricht: Iss und trink! und sein Herz ist doch nicht mit dir.

8 Deine Bissen die du gegessen hattest, musst du ausspeien, und musst deine freundlichen Worte verloren haben.

9 Rede nicht vor des Narren Ohren; denn er verachtet die Klugheit deiner Rede.

10 Verrücke nicht die vorigen Grenzen und gehe nicht auf der Waisen Acker.

11 Denn ihr Erlöser ist mächtig; der wird ihre Sache wider dich ausführen.

12 Gib dein Herz zur Zucht und deine Ohren zu vernünftiger Rede.

13 Lass nicht ab den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute haust, so wird man ihn nicht töten.

14 Du haust ihn mit der Rute; aber du errettest seine Seele vom Tode.

15 Mein Sohn, wenn dein Herz weise ist, so freut sich auch mein Herz;

16 und meine Nieren sind froh, wenn deine Lippen reden, was recht ist.

17 Dein Herz folge nicht den Sündern, sondern sei täglich in der Furcht des HERRN.

18 Denn es wird dir hernach gut sein, und dein Warten wird nicht trügen.

19 Höre, mein Sohn, und sei weise und richte dein Herz in den Weg.

20 Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern;

21 denn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen.

22 Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat, und verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird.

23 Kaufe Wahrheit, und verkaufe sie nicht, Weisheit, Zucht und Verstand.

24 Der Vater eines Gerechten freut sich; und wer einen Weisen gezeugt hat, ist fröhlich darüber.

25 Lass sich deinen Vater und deine Mutter freuen, und fröhlich sein, die dich geboren hat.

26 Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.

27 Denn eine Hure ist eine tiefe Grube, und eine Ehebrecherin ist ein enger Brunnen.

28 Auch lauert sie wie ein Räuber, und die Frechen unter den Menschen sammelt sie zu sich.

29 Wo ist Weh? wo ist Leid? wo ist Zank? wo ist Klagen? wo sind Wunden ohne Ursache? wo sind trübe Augen?

30 Wo man beim Wein liegt und kommt, auszusaufen, was eingeschenkt ist.

31 Siehe den Wein nicht an, dass er so rot ist und im Glase so schön steht. Er geht glatt ein;

32 aber danach beisst er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter.

33 So werden deine Augen nach andern Weibern sehen, und dein Herz wird verkehrte Dinge reden,

34 und wirst sein wie einer, der mitten im Meer schläft, und wie einer schläft oben auf dem Mastbaum.

35 "Sie schlagen mich, aber es tut mir nicht weh; sie klopfen mich, aber ich fühle es nicht. Wann will ich aufwachen, dass ich's mehr treibe?"

 Sprüche - 24. Kapitel

1 Folge nicht bösen Leuten und wünsche nicht, bei ihnen zu sein;

2 denn ihr Herz trachte nach Schaden, und ihre Lippen raten zu Unglück.

3 Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.

4 Durch ordentliches Haushalten werden die Kammern voll aller köstlichen, lieblichen Reichtümer.

5 Ein weiser Mann ist stark, und ein vernünftiger Mann ist mächtig von Kräften.

6 Denn mit Rat muss man Krieg führen; und wo viele Ratgeber sind, da ist der Sieg.

7 Weisheit ist dem Narren zu hoch; er darf seinen Mund im Tor nicht auftun.

8 Wer sich vornimmt, Böses zu tun, den heisst man billig einen Erzbösewicht.

9 Des Narren Tücke ist Sünde, und der Spötter ist ein Greuel vor den Leuten.

10 Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist.

11 Errette die, so man töten will; und entzieh dich nicht von denen, die man würgen will.

12 Sprichst du: "Siehe, wir verstehen's nicht!" meinst du nicht, der die Herzen wägt, merkt es, und der auf deine Seele achthat, kennt es und vergilt dem Menschen nach seinem Werk?

13 Iss, mein Sohn, Honig, denn er ist gut, und Honigseim ist süss in deinem Halse.

14 Also lerne die Weisheit für deine Seele. Wo du sie findest, so wird's hernach wohl gehen, und deine Hoffnung wird nicht umsonst sein.

15 Laure nicht als Gottloser auf das Haus des Gerechten; verstöre seine Ruhe nicht.

16 Denn ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf; aber die Gottlosen versinken im Unglück.

17 Freue dich des Falles deines Feindes nicht, und dein Herz sei nicht froh über seinem Unglück;

18 der HERR möchte es sehen, und es möchte ihm übel gefallen und er seine Zorn von ihm wenden.

19 Erzürne dich nicht über die Bösen und eifere nicht über die Gottlosen.

20 Denn der Böse hat nichts zu hoffen, und die Leuchte der Gottlosen wird verlöschen.

21 Mein Kind, fürchte den HERRN und den König und menge dich nicht unter die Aufrührer.

22 Denn ihr Verderben wird plötzlich entstehen; und wer weiss, wann beider Unglück kommt?

23 Dies sind auch Worte von Weisen. Die Person ansehen im Gericht ist nicht gut.

24 Wer zum Gottlosen spricht: "Du bist fromm", dem fluchen die Leute, und das Volk hasst ihn.

25 Welche aber strafen, die gefallen wohl, und kommt ein reicher Segen auf sie.

26 Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuss.

27 Richte draussen dein Geschäft aus und bearbeite deinen Acker; darnach baue dein Haus.

28 Sei nicht Zeuge ohne Ursache wider deinen Nächsten und betrüge nicht mit deinem Munde.

29 Sprich nicht: "Wie man mir tut, so will ich wieder tun und einem jeglichen sein Werk vergelten."

30 Ich ging am Acker des Faulen vorüber und am Weinberg des Narren;

31 und siehe, da waren eitel Nesseln darauf, und er stand voll Disteln, und die Mauer war eingefallen.

32 Da ich das sah, nahm ich's zu Herzen und schaute und lernte daran.

33 Du willst ein wenig schlafen und ein wenig schlummern und ein wenig deine Hände zusammentun, dass du ruhest:

34 aber es wird dir deine Armut kommen wie ein Wanderer und dein Mangel wie ein gewappneter Mann.

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