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Sprüche - Kp. 23 bis 25 - Luther 1912

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 Sprüche - 23. Kapitel

1 Wenn du sitzest und issest mit einem Herrn, so merke, wen du vor dir hast,

2 und setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist.

3 Wünsche dir nichts von seinen feinen Speisen; denn es ist falsches Brot.

4 Bemühe dich nicht reich zu werden und lass ab von deinen Fündlein.

5 Lass dein Augen nicht fliegen nach dem, was du nicht haben kannst; denn dasselbe macht sich Flügel wie ein Adler und fliegt gen Himmel.

6 Iss nicht Brot bei einem Neidischen und wünsche dir von seinen feinen Speisen nichts.

7 Denn wie ein Gespenst ist er inwendig; er spricht: Iss und trink! und sein Herz ist doch nicht mit dir.

8 Deine Bissen die du gegessen hattest, musst du ausspeien, und musst deine freundlichen Worte verloren haben.

9 Rede nicht vor des Narren Ohren; denn er verachtet die Klugheit deiner Rede.

10 Verrücke nicht die vorigen Grenzen und gehe nicht auf der Waisen Acker.

11 Denn ihr Erlöser ist mächtig; der wird ihre Sache wider dich ausführen.

12 Gib dein Herz zur Zucht und deine Ohren zu vernünftiger Rede.

13 Lass nicht ab den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute haust, so wird man ihn nicht töten.

14 Du haust ihn mit der Rute; aber du errettest seine Seele vom Tode.

15 Mein Sohn, wenn dein Herz weise ist, so freut sich auch mein Herz;

16 und meine Nieren sind froh, wenn deine Lippen reden, was recht ist.

17 Dein Herz folge nicht den Sündern, sondern sei täglich in der Furcht des HERRN.

18 Denn es wird dir hernach gut sein, und dein Warten wird nicht trügen.

19 Höre, mein Sohn, und sei weise und richte dein Herz in den Weg.

20 Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern;

21 denn die Säufer und Schlemmer verarmen, und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen.

22 Gehorche deinem Vater, der dich gezeugt hat, und verachte deine Mutter nicht, wenn sie alt wird.

23 Kaufe Wahrheit, und verkaufe sie nicht, Weisheit, Zucht und Verstand.

24 Der Vater eines Gerechten freut sich; und wer einen Weisen gezeugt hat, ist fröhlich darüber.

25 Lass sich deinen Vater und deine Mutter freuen, und fröhlich sein, die dich geboren hat.

26 Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohl gefallen.

27 Denn eine Hure ist eine tiefe Grube, und eine Ehebrecherin ist ein enger Brunnen.

28 Auch lauert sie wie ein Räuber, und die Frechen unter den Menschen sammelt sie zu sich.

29 Wo ist Weh? wo ist Leid? wo ist Zank? wo ist Klagen? wo sind Wunden ohne Ursache? wo sind trübe Augen?

30 Wo man beim Wein liegt und kommt, auszusaufen, was eingeschenkt ist.

31 Siehe den Wein nicht an, dass er so rot ist und im Glase so schön steht. Er geht glatt ein;

32 aber danach beisst er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter.

33 So werden deine Augen nach andern Weibern sehen, und dein Herz wird verkehrte Dinge reden,

34 und wirst sein wie einer, der mitten im Meer schläft, und wie einer schläft oben auf dem Mastbaum.

35 "Sie schlagen mich, aber es tut mir nicht weh; sie klopfen mich, aber ich fühle es nicht. Wann will ich aufwachen, dass ich's mehr treibe?"

 Sprüche - 24. Kapitel

1 Folge nicht bösen Leuten und wünsche nicht, bei ihnen zu sein;

2 denn ihr Herz trachte nach Schaden, und ihre Lippen raten zu Unglück.

3 Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.

4 Durch ordentliches Haushalten werden die Kammern voll aller köstlichen, lieblichen Reichtümer.

5 Ein weiser Mann ist stark, und ein vernünftiger Mann ist mächtig von Kräften.

6 Denn mit Rat muss man Krieg führen; und wo viele Ratgeber sind, da ist der Sieg.

7 Weisheit ist dem Narren zu hoch; er darf seinen Mund im Tor nicht auftun.

8 Wer sich vornimmt, Böses zu tun, den heisst man billig einen Erzbösewicht.

9 Des Narren Tücke ist Sünde, und der Spötter ist ein Greuel vor den Leuten.

10 Der ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist.

11 Errette die, so man töten will; und entzieh dich nicht von denen, die man würgen will.

12 Sprichst du: "Siehe, wir verstehen's nicht!" meinst du nicht, der die Herzen wägt, merkt es, und der auf deine Seele achthat, kennt es und vergilt dem Menschen nach seinem Werk?

13 Iss, mein Sohn, Honig, denn er ist gut, und Honigseim ist süss in deinem Halse.

14 Also lerne die Weisheit für deine Seele. Wo du sie findest, so wird's hernach wohl gehen, und deine Hoffnung wird nicht umsonst sein.

15 Laure nicht als Gottloser auf das Haus des Gerechten; verstöre seine Ruhe nicht.

16 Denn ein Gerechter fällt siebenmal und steht wieder auf; aber die Gottlosen versinken im Unglück.

17 Freue dich des Falles deines Feindes nicht, und dein Herz sei nicht froh über seinem Unglück;

18 der HERR möchte es sehen, und es möchte ihm übel gefallen und er seine Zorn von ihm wenden.

19 Erzürne dich nicht über die Bösen und eifere nicht über die Gottlosen.

20 Denn der Böse hat nichts zu hoffen, und die Leuchte der Gottlosen wird verlöschen.

21 Mein Kind, fürchte den HERRN und den König und menge dich nicht unter die Aufrührer.

22 Denn ihr Verderben wird plötzlich entstehen; und wer weiss, wann beider Unglück kommt?

23 Dies sind auch Worte von Weisen. Die Person ansehen im Gericht ist nicht gut.

24 Wer zum Gottlosen spricht: "Du bist fromm", dem fluchen die Leute, und das Volk hasst ihn.

25 Welche aber strafen, die gefallen wohl, und kommt ein reicher Segen auf sie.

26 Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuss.

27 Richte draussen dein Geschäft aus und bearbeite deinen Acker; darnach baue dein Haus.

28 Sei nicht Zeuge ohne Ursache wider deinen Nächsten und betrüge nicht mit deinem Munde.

29 Sprich nicht: "Wie man mir tut, so will ich wieder tun und einem jeglichen sein Werk vergelten."

30 Ich ging am Acker des Faulen vorüber und am Weinberg des Narren;

31 und siehe, da waren eitel Nesseln darauf, und er stand voll Disteln, und die Mauer war eingefallen.

32 Da ich das sah, nahm ich's zu Herzen und schaute und lernte daran.

33 Du willst ein wenig schlafen und ein wenig schlummern und ein wenig deine Hände zusammentun, dass du ruhest:

34 aber es wird dir deine Armut kommen wie ein Wanderer und dein Mangel wie ein gewappneter Mann.

 Sprüche - 25. Kapitel

1 Dies sind auch Sprüche Salomos, die hinzugesetzt haben die Männer Hiskias, des Königs in Juda.

2 Es ist Gottes Ehre, eine Sache verbergen; aber der Könige Ehre ist's, eine Sache zu erforschen.

3 Der Himmel ist hoch und die Erde tief; aber der Könige Herz ist unerforschlich.

4 Man tue den Schaum vom Silber, so wird ein reines Gefäss daraus.

5 Man tue den Gottlosen hinweg vor dem König, so wird sein Thron mit Gerechtigkeit befestigt.

6 Prange nicht vor dem König und tritt nicht an den Ort der Grossen.

7 Denn es ist dir besser, dass man zu dir sage: Tritt hier herauf! als dass du vor dem Fürsten erniedrigt wirst, dass es deine Augen sehen müssen.

8 Fahre nicht bald heraus, zu zanken; denn was willst du hernach machen, wenn dich dein Nächster beschämt hat?

9 Führe deine Sache mit deinem Nächsten, und offenbare nicht eines andern Heimlichkeit,

10 auf dass nicht übel von dir spreche, der es hört, und dein böses Gerücht nimmer ablasse.

11 Ein Wort geredet zu seiner Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.

12 Wer einem Weisen gehorcht, der ihn straft, das ist wie ein goldenes Stirnband und goldenes Halsband.

13 Wie die Kühle des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein treuer Bote dem, der ihn gesandt hat, und labt seines Herrn Seele.

14 Wer viel verspricht und hält nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen.

15 Durch Geduld wird ein Fürst versöhnt, und eine linde Zunge bricht die Härtigkeit.

16 Findest du Honig, so iss davon, so viel dir genug ist, dass du nicht zu satt wirst und speiest ihn aus.

17 Entzieh deinen Fuss vom Hause deines Nächsten; er möchte dein überdrüssig und dir gram werden.

18 Wer wider seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, der ist ein Spiess, Schwert und scharfer Pfeil.

19 Die Hoffnung auf einen Treulosen zur Zeit der Not ist wie ein fauler Zahn und gleitender Fuss.

20 Wer einem betrübten Herzen Lieder singt, das ist, wie wenn einer das Kleid ablegt am kalten Tage, und wie Essig auf der Kreide.

21 Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot; dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser.

22 Denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der HERR wird dir's vergelten.

23 Der Nordwind bringt Ungewitter, und die heimliche Zunge macht saures Angesicht.

24 Es ist besser, im Winkel auf dem Dach sitzen denn bei einem zänkischen Weibe in einem Haus beisammen.

25 Eine gute Botschaft aus fernen Landen ist wie kalt Wasser einer durstigen Seele.

26 Ein Gerechter, der vor einem Gottlosen fällt, ist wie ein getrübter Brunnen und eine verderbte Quelle.

27 Wer zuviel Honig isst, das ist nicht gut; und wer schwere Dinge erforscht, dem wird's zu schwer.

28 Ein Mann, der seinen Geist nicht halten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.

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